Es ist schier unglaublich, welchen Ansprüchen Turn- und Sporthallenböden genügen müssen. Der Wunsch aller Anspruchsgruppen, in der gemeindeeigenen Turnhalle den perfekten Allzweckboden einzubauen, kann kaum erfüllt werden.
Das Bundesamt für Sport in Magglingen bringt es in seiner Dokumentation 221 Sporthallen-böden – Orientierungshilfe, auf den Punkt:
Die Wahl von geeigneten Sportböden gehört zu den wichtigsten, aber auch schwierigsten Entscheidungen, die beim Bau oder der Sanierung einer Sporthalle zu treffen sind. Neben den vielfältigen sportfunktionellen Aspekten müssen Überlegungen zu den finanziellen, ökologischen und baulichen Rahmenbedingungen einbezogen werden. Ein zudem ständig wachsendes Angebot an Sportbodenarten und die sich wandelnden Bedürfnisse erfordern gute Sachkenntnisse in den Bereichen des Sports, der Biomechanik und der Materialkunde.
Ein Sportboden, der alle Bedürfnisse des Sports abdeckt, existiert heute auf dem Markt nicht. In Mehrzweckhallen mit sportfremden Nutzungen treten zudem zusätzliche Anforderungen bezüglich der Widerstandsfähigkeit auf.
Welche Eigenschaften an einen Turnhallenboden sind nun konkret gefordert? Gelenkschonend, gute und gleichmässige Elastizität (punktelastisch – speziell, wenn vor allem Kinder auf dem Boden turnen), optimal kraftabbauend, gutes Ballverhalten, schalldämmend, stark belastbar, oftmals multifunktional einsetzbar (z.B. Bestuhlung), langlebig, die Schutzfunktionen sollen möglichst lange nicht nachlassen, Wasser-unempfindlichkeit, Oberfläche durch die Hauswartung leicht zu reinigen, geeignet für Fussbodenheizungen, usw.
Es sind wahrlich viele sportfunktionelle, schutzfunktionelle und technische Eigenschaften, die gefordert werden. Oftmals werden die Turnhallenböden an 5 Tagen in der Woche durch die Schule benutzt, von morgens 8 Uhr bis abends gegen 18 Uhr. Um 18 Uhr kommen die ersten Sportvereine und nutzen die Halle bis 22 Uhr. An den Wochenenden finden Turniere der verschiedensten Sportarten statt. Dazu kommen vielerorts Elternabende, Fasnachtsveranstaltungen und Gewerbeausstellungen dazu. Kaum ein Untergrund wird derart stark strapaziert wie ein Turnhallenboden. Der Hauswartung verbleibt kaum Zeit für die Pflege und Reinigung.
Man unterscheidet zwischen diversen Elastizitäten.
Punktelastischer Sporthallenboden: Die Aufprallkräfte werden vom Boden unmittelbar wie ein Stossdämpfer aufgenommen. Besonders bei Turnenden mit wenig Gewicht (bei Kindern) ist dieser Effekt entscheidend. Schichtdicke des Turnhallenbodens: Ungefähr 15 mm.
Flächenelastischer Sporthallenboden: Gegenüber den punktelastischen Turnhallenböden werden höhere Werte für den Kraftabbau realisiert. Entsprechend sind diese speziell für erwachsene Turnende gelenkschonender, und wegen der höheren Standsicherheit der Sportler wird das Verletzungsrisiko minimiert. Schichtdicke des Turnhallenbodens: Ungefähr 35 mm.
Kombielastischer Sporthallenboden: Diese vereinigt weitgehend die Vorteile von punkt- und flächenelastischen Turnhallenböden. Schichtdicke des Turnhallenbodens: Ungefähr gegen 40 mm.
Mischelastischer Sporthallenboden: Sportfunktionell ähnelt dieser Belag dem punkt-elastischen System, er ist jedoch ergänzt mit eine flächenversteifenden Zwischenschicht. Bei Stürzen der Sportler werden die Aufprallkräfte schneller absorbiert. Schichtdicke des Turnhallenbodens: Ungefähr 15 mm.
Nicht alle diese beschriebenen Typen sind gleichermassen für alle Sportarten geeignet. Bei Kampfsportarten sind beispielsweise andere Werte gefordert als bei Rollstuhlsportarten. Bedeutung bekommen diesen Fragen natürlich dort, wo auf hohem Niveau Wettkampfsport betrieben wird.
Je nach Lieferanten- und Anwendersystem können die obgenannten Gesamtschichtdicken der Sporthallenböden erheblich abweichen. Die Schichtdicken-Unterschiede zwischen den einzelnen Typen sind jedoch augenfällig. Das bedeutet natürlich auch, dass die flächen- und kombielastischen Böden gegenüber den punktelastischen in der Lieferung und im Einbau erheblich teurer sind, und dass der Einbau mehr Zeit beansprucht.
Die oben erwähnten Schichtdickenangaben sind auf Polyurethan-Oberbeläge abgestimmt. Polyurethansportbeläge dürften in der Schweiz mengenmässig 75% aller Sporthallenböden ausmachen. Aber es gibt auch Linoleum- und Korklinoleum-Beläge sowie PVC- und Holzbeläge. Gleichzeitig wird an dieser Stelle die Aussage gewagt, dass wahrscheinlich wiederum ca. 75% aller in der Schweiz eingebauten Sporthallenbodentypen punktelastisch sind.
Die Polyurethanbeläge haben den Vorteil von vielfältigen Farbmöglichkeiten, dass praktisch alle Sportarten abgedeckt werden, dass alle Produkte nahezu lösemittelfrei sind und keine Weichmacher enthalten, dass ein hoher Flammschutz geboten wird, dass die Widerstandsfähigkeit gegenüber mechanischen, chemischen und Hitzeeinflüssen hoch ist und dass der Reinigungsaufwand wegen der Fugenlosigkeit nachweislich gering ist. Und noch ein ganz entscheidender Vorteil: Die Sanierungsvarianten nach z.B. 20 Jahren der Nutzung gestalten sich relativ einfach und kostengünstig. Die Lebensdauer der PUR-Beläge beträgt wie bei allen anderen Systemen mindestens 20 Jahre.
Nicht immer muss ein Turnhallenboden nach 20 Jahren ersetzt werden. Oftmals genügt es, die Oberfläche neu zu versiegeln, damit die oberflächliche Stopp- und Gleitfähigkeit wieder der Norm DIN 18032-2 entspricht und die Oberfläche für die Benutzer optimal gelenk-, muskel- und sehnenschonend eingestellt ist. Selbst wenn die Oberfläche des in die Jahre gekommenen Turnhallenbodens unschön und beschädigt wirkt, ist ein Retoping (Aufbau auf dem bestehenden Boden) oftmals möglich, – mit deutlich weniger Kostenaufwand gegenüber dem Komplettersatz des Bodens.
Kosteneinsparungen zulasten der Funktionalität des Sportbodens können sich negativ auf die Gesundheit der Sporttreibenden auswirken und sind deshalb nicht zu empfehlen.
Es macht grossen Sinn, die Frage der Typenwahl des Turnhallenbodens im Planungs-prozess frühzeitig anzugehen.
Für die Funktionstauglichkeit der Sporthallenböden ist die Reinigung und Pflege nicht zu unterschätzen. Eine fachgerechte Pflege muss sichergestellt werden. Sie beeinflusst das Gleitverhalten, die Reinigungsfähigkeit, die Hygiene und das visuelle Erscheinungsbild.
Eines ist klar: Wird ein Turnhallenboden richtig genutzt, richtig gepflegt und wird ihm auch sonst Sorge getragen, kann der Renovationsintervall verlängert werden, – mit deutlichen positiven Auswirkungen auf die langfristigen Kosten.
Auszüge aus: BASPO Dokumentation 221 Sporthallenböden
Conica AG (Sporthallenboden-Typen)